Der Schöpfer des Schöpfers

Vorsicht!!! Das ist im freiheitlichen Westen noch ein Tabu-Thema!!!

Thema 26/2026

sarvam hy etad bhavan veda
bhuta-bhavya-bhavat-prabhu
karamalaka-vad visvam
vijnanavasitam tava

"Mein lieber Vater, all dies ist dir wissenschaftlich bekannt, denn alles, was in der Vergangenheit geschaffen wurde, in der Zukunft noch geschaffen werden wird, sowie alle Dinge innerhalb des Universums -, alles liegt wie eine Walnuss in deiner Hand." (Shrimad Bhagavatam, Canto 2, Kapitel 5, Text 3 )

Erläuterungen von HDG AC Bhaktivedanta Swami Prabhupada:

"Brahma ist der unmittelbare Schöpfer des manifestierten Universums und aller Dinge im Universum. Er weiß daher, was in der Vergangenheit geschah, was in der Zukunft geschehen wird und was gegenwärtig geschieht. Drei Hauptdinge, nämlich das Lebewesen, die phänomenale Welt und der Beherrscher, befinden sich alle in fortlaufender Aktion - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - , und der unmittelbare Verwalter weiß alles über diese Aktionen und Reaktionen, so wie jemand über eine Walnuss in seiner Hand Bescheid weiß. Von dem direkten Hersteller einer bestimmten Sache erwartet man , dass er weiß wie er die Kunst der Herstellung erlernte, wo er die Bestandteile herbekam, wie er sie zusammensetzte und wie die Erzeugnisse in der Herstellung gefertigt wurden. Weil Brahma das erstgeborene Lebewesen ist, erwartet man von ihm naturgemäß, dass er alles über die schöpferischen Abläufe weiß."

Ist es erlaubt, nach dem Schöpfer des Schöpfers zu fragen, jedenfalls nicht im Abendland. Solche völlig entrückten Fragen darf ein echter Christ nicht einmal andenken. Das wäre eine Todsünde. Wir, die wir hier im Abendland geboren und großgezogen worden sind, ist eine Verklemmung eingeimpft worden: 'Ja nicht an die letzten Dinge rühren. Das darfst Du nicht! Schließlich ist Jesus für Dich am Kreuz gestorben, um Deine große Schuld zu neutralisieren. Willst Du all dies in den Wind schlagen und Dich auf Irrwege begeben, um für Dich eine größere Wahrheit zu erkunden, die nichts für Dich ist, Dich verdirbt? Lass es lieber sein!!!' Wer schon mal einige Zeit in Indien verbracht hat, der muss zugeben, dass die Atmosphäre an den großen Schauplätzen der dortigen jahrtausendealten Traditionen unser kleinkarriertes abendländisches Korsett sprengt. Jedenfalls ging es dem katholisch vorbelasteten Autoren dieses Beitrags so. Wir waren erst viermal in Indien, können aber mit Gewissheit von einer Befreiung sprechen, die wir bereits beim Ausstieg aus dem Flugzeug der Air India auf dem internationalen Flughafen von Kolkatta erlebt haben; ein tiefes Gefühl der Weite, des wahren Willkommenseins beim Zusammentreffen mit den sehr hilfsbereiten Gepäckträgern! In Indien dürfen wir die letzten Fragen stellen, ohne Schuldbewusstsein, tief atmend und dankbar. Natürlich trifft man dort Tausende von Traditionen, Gurus, Yogis und Asketen. Und an dieser Stelle gehen wir nun einen Schritt weiter und sprengen das Korsett des abendländischen Denkens und zwar mittels eines weiteren Verses aus dem fünften Kapitel des zweiten Cantos des Shrimad Bhagavatam:

tasmai namo bhagavate
vasudevaya dhimahi
yan-mayaya durjayaya
mam vadanti jagad-gurum

"Ich erweise Shri Krishna (Vasudeva), der Persönlichkeit Gottes, meine Ehrerbietungen und meditiere über Ihn, dessen unüberwindliche Kraft sie (die weniger intelligenten Menschen) beeinflusst, so dass sie mich als den höchsten Herrscher bezeichnen." (Shrimad Bhagavatam, Canto 2, Kapitel 5, Vers 12)

Lord Brahma, der Schöpfer, erweitert hier unser Bewusstsein vom kosmischen Bewusstsein hin zum Krishna-Bewusstsein. Er betet zu seinem Herrn, Shri Krishna, der der Höchste Herr ist. Shri Krishna ist mithin der Schöpfer des Schöpfers.

Und Ja, Logik ist eine große Tugend der Inder. Die Frage nach dem Schöpfer des Schöpfers ist eine logische Konsequenz, wenn wir von Theologie sprechen wollen. Und es ist nur umso erstaunlicher, dass die Antwort erst einmal so einfach wie logisch ist: Ja, der Schöpfer wurde erschaffen. Er hat Anfang und Ende! Diese theologische Wahrheit ist befreiend und nicht etwa sündhaft. Der Schöpfer wird von den Vaishnavas als Brahma identifiziert, der auf einem Lotos entspringt, der aus dem Nabel des Schöpfers des Lotos sprießt, wenn Sich Garbhodakasayi Vishnu auf dem Grund des Garbhodaka-Ozeans situiert, um dort das Geschehen im Universum zu lenken. Somit können wir also den großen ursprünglichen Gott, Garbhodakasayi Vishnu als den Schöpfer des Schöpfers identifizieren, und jetzt wird es ja erst interessant, denn woher kommt dieser Garbhodakasayi-Vishnu?

Garbhodakasayi-Vishnu gehört zum Kreis der Vishnu-Kategorie. Theologisch richtig wird diese Kategorie als Vishnu-Tattva bezeichnet. Hervorstechende Merkmale der Vishnu-Tattva-Entitäten sind Ewigkeit, Freiheit von Geburt und Tod und Allmacht. AHA, jetzt scheinen wir dem wahren Ursprung aller Dinge näher zu kommen. Ja, Shri Vishnu ist wahrhaftig der gesuchte ewige, allmächtige Ursprung von allem. Da fällt uns armem Katholiken ein Stein vom Herzen. Es gibt Ihn also tasächlich, unseren allmächtigen ewigen und allwissenden Gott:

kavim purunam anushasitaram
anor aniyamsam anusmared yaha
sarvasya dhataram achintya-rupam
aditya-varnam tamasahaparastad

"Man sollte über die Höchste Person als denjenigen meditieren, der alles weiß, der der Älteste ist, der Meister und Beherrscher von allem, der kleiner als das Kleinste ist, jenseits aller materiellen Vorstellungen und völlig unbegreiflich, und der immer eine Person ist. Er ist leuchtend wie die Sonne, und er ist transzendental, jenseits der materiellen Natur." (Bhagavad-gita 8.9)

Unser Schöpfer ist also eine Kreatur des ursprünglichen Höchsten Herrn. Somit ist unsere verbotene Ausgangsfrage also strukturell erst einmal beantwortet. Jedoch geht es für sehr fleißige Transzendentalisten jetzt erst richtig los:

Worin gründet Shri Vishnu? Ok, wir haben erfahren, dass Er sich im Ozean des Universums befindet. Um es gleich vorauszuschicken, denn wir wollen ja vorankommen:

Es gibt neben unserem Universum noch unzählige weitere Universen, und in jedem dieser unzähligen Universen liegt ein Vishnu-Aspekt im jeweiligen Ozean des jeweiligen Universums. All diese Vishnu-Aspekte sind Erweiterungen des ursprünglichen Maha-Vishnu. Maha-Vishnu ist vielen von uns ein Begriff, zum Beispiel aus der Welt der Musik. Da gab es ein Maha-Vishnu-Orchester. Damals kamen aufgrund der wissbegierigen Indienfahrer viele Begriffe aus Indien in unsere westliche Kultur. Uns sind Karma, Samsara, u.v.a. Worte bereits geläufig. Zum Glück ist unser Korsett also schon gar nicht mehr so steif. Maha-Vishnu, der große (Maha) Vishnu ist unser wirklich nun größter Gott, der wiederum im spirituellen Universum tatsächlich die Trennlinie zwischen materieller und spiritueller Welt beherrscht. In der spirituellen Welt, so müssen wir jetzt noch dazulernen, sind alle Fakultäten in ihrer Ursprünglichkeit situiert, Maha-Vishnu ist eine Erweiterung von Baladeva, dem ewigen Bruder Shri Krishna's. Ja, sie lesen richtig! Shri Krishna, der das tatsächliche Oberhaupt aller Entitäten ist, hat einen Bruder, auch eine Schwester, Lady Subhadra! Die Göttlichkeit ist keineswegs eine langweilige One-Man-Show. Es gibt ein spirituelles Beziehungsnetzwerk, in dem ja dann sogar wir einzelne Lebewesen eine ewige Heimat haben, die wir verlassen haben. Es liegt an jedem einzelnen von uns, wieder seine (ihre) ewige Heimat anzustreben, um dort auf ewig glücklich zu leben.

HARE KRISHNA

Wir werden versuchen, in weiteren Beiträgen unsere heutigen Einsichten im einzelnen zu vertiefen.

Für heute reichts!

Birkenfeld, 29.06.2026

Ihr Diener

Parivadi dasa